Sanierung
Sanierung im bewohnten Bestand: Wie man Mieter durch ein Bauprojekt bringt
Bei der DEGEWO-Glasfassade in Berlin Rudow konnten 64 Mieter nicht ausziehen — und trotzdem wurde 60 m laufende Glasfassade getauscht. Solche Projekte machen wir mehrmals pro Jahr. Hier die sechs Regeln, die wir konsequent einhalten.
1. Pro Wohnung individuelle Termin-Abstimmung
Es gibt keine „kollektive Lösung” für 12 Wohnungen, die heute alle Sanierungs-Tag haben. Jede Wohnung bekommt ihren eigenen Termin, abgestimmt nach Lebenssituation: Schichtarbeiter um 14:00, junge Familien nicht in den Mittagsschlaf-Zeiten, Senioren mit Vorlauf damit sie sich vorbereiten können.
Wir haben oft eine eigene Mieter-Hotline für Termin-Anfragen — das spart der Hausverwaltung den Kontakt-Aufwand.
2. Arbeitszeiten respektieren
TA-Lärm-Vorschrift: Mo–Sa 7:00–20:00 Uhr. Wir erweitern das auf:
- Nicht vor 8:00 Uhr — gerade in Berliner Mietshäusern schlafen viele bis 7:30
- Mittagspause 12:30–14:00 — für Familien mit Kleinkindern
- Spätestens 17:00 Schluss — keine Spät-Lärmarbeit
In Schul-Bauten (Sommerferien!) und Kita-Bauten andere Logik — da arbeiten wir konzentriert in den Pausen, dafür sind wir Mitte-Juli bis Ende-August voll im Einsatz.
3. Schmutz-Schutz vom ersten Tag
Folie über alles, was nicht versetzt werden kann. Möbel-Folien für die anliegenden Möbel im Bauraum. Bodenschutz-Vlies bei jedem Gang. Schuh-Überzieher an der Wohnungstür.
Wir investieren oft 2 Stunden vor Sanierungsbeginn nur in Schmutz-Schutz. Spart später Stunden Reinigung — und Konflikte mit Mietern.
4. Tagesweise Übergabe
Abends ist der Bauraum besenrein und sicher. Keine offenen Bereiche mit losen Materialien, keine Stolperfallen, keine Stromkabel auf dem Boden. Wenn der Mieter abends heimkommt, soll er nicht über Werkzeuge stolpern.
Bei Mehr-Tage-Aufträgen schließen wir die Bauteile auch nachts provisorisch (Trockenbau-Wand auch wenn nur halb fertig — mit Folie zugehängt für Sichtschutz).
5. Direkter Mieter-Kontakt
Bei jedem Auftrag haben wir einen festen Bauleiter, der Mieter-Kontakte führt. Mieter haben eine Telefonnummer und einen Namen. Wenn was schiefgeht, wissen sie, mit wem sie reden müssen.
Hausverwaltung wird wöchentlich informiert — die hat eigene Aufgaben und braucht nicht jede Mieter-Frage detailliert.
6. Foto-Dokumentation für die Hausverwaltung
Vor dem Bau, während des Baus, nach dem Bau — Foto-Log pro Wohnung. Damit gibt’s bei Reklamationen keine „das war doch schon immer kaputt”-Diskussion. Hausverwaltung bekommt die Mappe nach Abschluss.
Was schiefgeht — und wie wir damit umgehen
Mieter ist nicht erreichbar zum vereinbarten Termin: Wir kommen ein zweites Mal, ohne Zusatzkosten. Bei chronischer Nicht-Erreichbarkeit: Kommunikation mit Hausverwaltung, ggf. juristische Lösung.
Mieter beschwert sich über Lärm: Wir hören zu, prüfen Möglichkeit der Anpassung. Bei akzeptabler Lärm-Quelle (z.B. Verdichtung) bleibt’s, mit Erklärung. Bei vermeidbarer Lärm-Quelle (z.B. unnötige Schreierei der Bauarbeiter): sofortige Korrektur.
Mieter findet Bauschmutz in der Wohnung: Wir reinigen sofort. Bei wiederholten Vorfällen geht’s an den Bauleiter zur Klärung mit der Crew.
Bauherr-Tipps
Wenn Sie Eigentümer sind und vor einer Sanierung im bewohnten Bestand stehen:
- Mieter mit 4 Wochen Vorlauf schriftlich informieren
- Hausversammlung einberufen (auch wenn keine Pflicht)
- Eine Ansprechperson für Mieter benennen — bei uns oder in der Hausverwaltung
- Mietminderung-Frage vorab klären (oft 5–15 % für Bauphase)
Mehr: Sanierungs-Praxis und DEGEWO-Story.
— Maik Marx