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Kirche Prenzlau: Stahlfenster restaurieren statt ersetzen
In Prenzlau, im Norden Brandenburgs, steht eine denkmalgeschützte Kirche aus dem späten 19. Jahrhundert. Stahlfenster mit Original-Profilen und Original-Verglasung. 2023 hat uns das zuständige Denkmalschutzbüro gefragt: kann man die Fenster restaurieren statt sie zu ersetzen?
Was bei Restauration anders ist als bei Neubau
Bei modernen Fensterbau geht es um Effizienz: U-Werte, RAL-Anschlüsse, Lieferzeit. Bei Restauration geht es um:
- Erhalt der Original-Substanz wo möglich
- Bestandsanalyse vor dem ersten Eingriff
- Material-treue in jedem Detail
- Reversibilität — was wir machen, soll bei späteren Eingriffen wieder rückgängig zu machen sein
Außerdem: Restauration ist langsamer. Ein Standard-Fenster-Tausch dauert 2–3 Stunden, eine Stahlfenster-Restauration nimmt 4–8 Stunden pro Fenster.
Was wir bei der Kirche gemacht haben
Phase 1: Bestandsanalyse (gemeinsam mit Denkmalschutz):
- Pro Fenster Foto-Doku, Material-Analyse (Stahl-Qualität, Glas-Typ, Beschlag-System)
- Schadensbild dokumentieren: Rost, Beschläge, Glas-Risse, Dichtungen
- Entscheidung pro Fenster: voll restaurieren oder Original-Profil mit neuer Verglasung
Phase 2: Demontage:
- Fenster werden komplett ausgebaut und in unsere Werkstatt gebracht (eigentlich: Werkstatt unseres Metallbau-Partners)
- Bestandsfenster-Plätze werden mit Folie geschützt — keine offene Fassade über Nacht
Phase 3: Restauration:
- Sandstrahlen der Stahl-Profile — Rost runter, Original-Stahl wieder sichtbar
- Schweißarbeiten an Stellen mit massivem Verlust (vom Metallbau-Partner gemacht — das ist Anlage A)
- Beschlag-Sanierung — Originale Beschläge werden gereinigt und gangbar gemacht. Wo unrettbar: Nachbau in identischem Stil
- Neue Dichtungen — historisch korrektes Material (oft Hanfschnur statt moderne EPDM-Dichtungen)
- Neue Verglasung im Original-Profil — Echtglas mit moderner Wärmedämmung, aber gleicher Glaserkitt-Befestigung wie original
Phase 4: Wieder-Einbau:
- Fenster zurück in den Bauraum
- Anschluss-Detail mit historischem Material (Kalkmörtel statt modernem Bauschaum)
- Übergabe mit Denkmalschutz
Was wir nicht selbst dürfen
Stahlbau-Schweißarbeiten sind Metallbauer-Handwerk (Anlage A). Wir koordinieren mit unserem Berliner Metallbau-Partner. Was wir machen: Demontage, Wieder-Einbau, Anschluss-Detail vor Ort, Bestandsanalyse, Beschlag-Reinigung. Dieser Anteil entspricht etwa 40 % der Gesamtarbeiten — der Rest ist Werkstattarbeit beim Metallbau-Partner.
Warum Restauration nachhaltig ist
- Original-Material bleibt — kein neuer Stahl, kein Versand
- Lebensdauer: Restaurierte Stahlfenster halten weitere 80–100 Jahre
- Energiebilanz: Restauration verbraucht etwa 1/5 der Energie einer Neufertigung
- Kulturwert: Das Bauwerk behält seinen historischen Charakter
Kosten
Pro Fenster 2.500–4.500 EUR Restauration (Werkstatt + Vor-Ort-Einbau). Standardneubau wäre 1.200–1.800 EUR — also 2–3x teurer. Bei einer Kirche mit 12 Fenstern macht das 35.000–55.000 EUR Mehrkosten.
Aber: bei denkmalgeschützten Bauwerken ist Restauration die einzige genehmigte Option. Und: das Land Brandenburg hat Denkmalschutz-Förderprogramme, die hier 30–50 % beisteuern.
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Prenzlau-Referenzseite und Fenster-Detail.
— Maik Marx