Brandschutz
Brandschutz im Trockenbau: Warum kein Anstrich, sondern Plattenummantelung
Es gibt zwei Wege, ein Stahlbauteil brandschutztechnisch zu klassifizieren: einen Anstrich (Maler-Tätigkeit) oder eine Plattenummantelung (Trockenbau-Monteur-Tätigkeit). Wir empfehlen konsequent die zweite Variante. Hier warum.
Was Brandschutzanstrich macht
Brandschutzanstrich (auch „intumeszierender Anstrich” genannt) bläht sich bei Hitze auf. Aus einer 0,5 mm dicken Anstrich-Schicht wird bei 200 °C eine 5 cm dicke schaumige Isolier-Schicht — die das Stahlbauteil vor weiterer Erhitzung schützt.
Klingt clever. Hat aber einige Praxis-Probleme:
- Anwendung ist heikel: falsche Schichtdicke, falsche Trocknung — und die F-Klasse wird nicht erreicht
- Pflege nötig: Anstrich kann durch Feuchtigkeit, mechanische Belastung und UV-Strahlung beschädigt werden
- Schwer prüfbar: ob die Brandschutz-Wirkung intakt ist, sieht man nicht mit dem Auge
- Anlage A: ist Maler-Tätigkeit, gehört in den Meisterbetrieb. Wir dürfen das nicht selbst.
Was Plattenummantelung macht
Plattenummantelung verkleidet das Stahlbauteil mit Brandschutz-Platten (z.B. Knauf Fireboard, Promatect-H). Die Platten halten direkt der Hitze stand und schützen das Stahlbauteil rein durch ihre Material-Eigenschaft.
Vorteile:
- Geprüftes System: mit abP/AbZ vom Hersteller — F30 bis F180 möglich
- Visuell prüfbar: wenn die Platte intakt ist, ist die Brandschutz-Wirkung intakt
- Dauerhaft: Brandschutz-Platten halten 50+ Jahre, kein Pflege-Aufwand
- Trockenbau-Tätigkeit: Anlage B1, dürfen wir selbst machen. Eigene Verantwortung, eigene Dokumentation.
Kostenvergleich
Bei einem typischen Stahlträger im Bürogebäude (4 m lang, IPE 200, F90 erforderlich):
Anstrich: ca. 180–250 EUR pro m² Trägeroberfläche, plus Voranstrich, plus Pflegeplan über die Lebensdauer.
Plattenummantelung: ca. 220–300 EUR pro m² Trägeroberfläche, einmalig — keine Pflege.
Auf 30+ Jahre gerechnet ist die Plattenummantelung deutlich günstiger. Plus: Sie haben keinen Pflege-Aufwand und keine Diskussionen, wenn beim nächsten Brandschutz-TÜV der Anstrich abgenutzt aussieht.
Wo wir die Plattenummantelung bauen
In den letzten 3 Jahren haben wir Plattenummantelungen ausgeführt für:
- Stahlträger in Bürogebäuden und Gewerbe-Sanierungen
- Stützen in Mehrfamilienhaus-Erweiterungen (Aufstockung im Bestand)
- Trapezblechdächer in Industriehallen — Untersicht-Verkleidung mit F30
- Treppenhaus-Decken als rauchfreier Rettungsweg
Das System: zertifizierte Trockenbau-Platte direkt am Bauteil verschraubt oder an einer Tragunterkonstruktion, mit Brandschutz-Spachtel an den Fugen.
Was wir konsequent dokumentieren
- Material-Datenblatt mit Chargen-Nummer
- Verwendbarkeitsnachweis (abP oder AbZ)
- Einbau-Protokoll mit Foto-Log pro Bauteil
- Lieferschein für die Plattenstärke
Bei der Bauabnahme legen wir das geschlossen vor — keine Diskussionen mit Sachverständigen.
Wenn jemand trotzdem Anstrich will
Wenn ein Bauherr explizit den Anstrich wünscht (z.B. weil eine sehr filigrane Stahlträger-Konstruktion nicht „dick” verkleidet werden soll), dann vermitteln wir unseren Berliner Maler-Partner — der hat die Sachkunde und die Werkstatt-Ausstattung dafür.
Mehr zur Brandschutz-Praxis: Brandschutz-Detailseite.
— Maik Marx