Es gibt zwei Wege, ein Stahlbauteil brandschutztechnisch zu klassifizieren: einen Anstrich (Maler-Tätigkeit) oder eine Plattenummantelung (Trockenbau-Monteur-Tätigkeit). Wir empfehlen konsequent die zweite Variante. Hier warum.

Was Brandschutzanstrich macht

Brandschutzanstrich (auch „intumeszierender Anstrich” genannt) bläht sich bei Hitze auf. Aus einer 0,5 mm dicken Anstrich-Schicht wird bei 200 °C eine 5 cm dicke schaumige Isolier-Schicht — die das Stahlbauteil vor weiterer Erhitzung schützt.

Klingt clever. Hat aber einige Praxis-Probleme:

  1. Anwendung ist heikel: falsche Schichtdicke, falsche Trocknung — und die F-Klasse wird nicht erreicht
  2. Pflege nötig: Anstrich kann durch Feuchtigkeit, mechanische Belastung und UV-Strahlung beschädigt werden
  3. Schwer prüfbar: ob die Brandschutz-Wirkung intakt ist, sieht man nicht mit dem Auge
  4. Anlage A: ist Maler-Tätigkeit, gehört in den Meisterbetrieb. Wir dürfen das nicht selbst.

Was Plattenummantelung macht

Plattenummantelung verkleidet das Stahlbauteil mit Brandschutz-Platten (z.B. Knauf Fireboard, Promatect-H). Die Platten halten direkt der Hitze stand und schützen das Stahlbauteil rein durch ihre Material-Eigenschaft.

Vorteile:

  1. Geprüftes System: mit abP/AbZ vom Hersteller — F30 bis F180 möglich
  2. Visuell prüfbar: wenn die Platte intakt ist, ist die Brandschutz-Wirkung intakt
  3. Dauerhaft: Brandschutz-Platten halten 50+ Jahre, kein Pflege-Aufwand
  4. Trockenbau-Tätigkeit: Anlage B1, dürfen wir selbst machen. Eigene Verantwortung, eigene Dokumentation.

Kostenvergleich

Bei einem typischen Stahlträger im Bürogebäude (4 m lang, IPE 200, F90 erforderlich):

Anstrich: ca. 180–250 EUR pro m² Trägeroberfläche, plus Voranstrich, plus Pflegeplan über die Lebensdauer.

Plattenummantelung: ca. 220–300 EUR pro m² Trägeroberfläche, einmalig — keine Pflege.

Auf 30+ Jahre gerechnet ist die Plattenummantelung deutlich günstiger. Plus: Sie haben keinen Pflege-Aufwand und keine Diskussionen, wenn beim nächsten Brandschutz-TÜV der Anstrich abgenutzt aussieht.

Wo wir die Plattenummantelung bauen

In den letzten 3 Jahren haben wir Plattenummantelungen ausgeführt für:

  • Stahlträger in Bürogebäuden und Gewerbe-Sanierungen
  • Stützen in Mehrfamilienhaus-Erweiterungen (Aufstockung im Bestand)
  • Trapezblechdächer in Industriehallen — Untersicht-Verkleidung mit F30
  • Treppenhaus-Decken als rauchfreier Rettungsweg

Das System: zertifizierte Trockenbau-Platte direkt am Bauteil verschraubt oder an einer Tragunterkonstruktion, mit Brandschutz-Spachtel an den Fugen.

Was wir konsequent dokumentieren

  • Material-Datenblatt mit Chargen-Nummer
  • Verwendbarkeitsnachweis (abP oder AbZ)
  • Einbau-Protokoll mit Foto-Log pro Bauteil
  • Lieferschein für die Plattenstärke

Bei der Bauabnahme legen wir das geschlossen vor — keine Diskussionen mit Sachverständigen.

Wenn jemand trotzdem Anstrich will

Wenn ein Bauherr explizit den Anstrich wünscht (z.B. weil eine sehr filigrane Stahlträger-Konstruktion nicht „dick” verkleidet werden soll), dann vermitteln wir unseren Berliner Maler-Partner — der hat die Sachkunde und die Werkstatt-Ausstattung dafür.

Mehr zur Brandschutz-Praxis: Brandschutz-Detailseite.

— Maik Marx